9. April 2012

Wie man Horizonte überspringt

Immer wieder bekomme ich e-Mails, das es phantastisch sei, auf was ich alles komme. Diese Themen, die ich aufgreife... Überhaupt, über was ich mir Gedanken mache. Mal ganz abgesehen von den Infos und Antworten, die ich (uns allen) aus der „Suppe“ fische. Und nicht zu letzt, wie ich das schaffe, es auch noch in lesbare Texte zu bringen. Ich freu mich über den Zuspruch und will heute zumindest mal ein paar Techniken verraten, wie man über seinen bestehenden Horizont kommt. Vielleicht kann das jemand gebrauchen…


1. Immer der Neugierde hinterher
Diesen Spruch sollte ich mir patentieren lassen, so oft wie ich den verwende. Aber es ist tatsächlich so. Wer aufhört zu denken, hört auch auf zu leben und zu sein. Wir wissen nach Schule und Ausbildung noch längst nicht alles, was wir wissen müssen. Zumal wir in unserer bestehenden Welt sowieso fast nichts von dem erfahren, was unsere eigentliche Lebensaufgabe beinhaltet. Es macht also Sinn, immer weiter zu Fragen. Antworten geben Pendel, Wünschelrute, Tensor, Bauchgefühl und ähnliches. Bücher geben nur Hinweise. Selbst wenn ich als Blogschreiberin Infos weitergebe, sind sie bereits durch meinen Filter hindurch und durch mich „gefärbt“. Es macht also Sinn, wenn jeder direkt die Quellen befragt.

Thematisch ist es wichtig, dass man etwas strukturiert bleibt. Natürlich ist es spannend, wenn man plötzlich auf alle Fragen eine Antwort bekommen kann. Aber ist es denn auch nötig? Würden wir alle Bücher der Erde lesen, nur weil sie in einer Bibliothek verfügbar sind? Sicher nicht!

Ein schlauer Mensch hat mal zu mir gesagt: „Mit jedem neuen Wissen vergrößert sich auch der Bereich zum Nicht-Wissen und wirft neue Fragen auf.“
Also aufpassen, dass man nicht vom Weg abkommt und in den Themenfeldern der Lebensaufgaben anderer Menschen wildert. Es reicht, wenn jeder in seinem Bereich fit ist. Zumindest, wenn wir irgendwann alle wie Rädchen im Getriebe funktionieren wollen. Natürlich kann man anderen bei ihrer Lebensaufgabe helfen, also sich mal kurz hineinfinden. Wir werden immer nur als großes Ganzes so stark sein, wie das schwächste Rädchen in unserem großen Getriebe!


2. Horizont erweitern
Ich erlebe bei mir, dass ich mich mit einem Themenfeld beschäftige. Nehmen wir als Beispiel mal Würmer. Und dann stoße ich im Themenfeld Würmer auf einmal auch noch auf ähnliche Dinge, wie Käfer und Spinnen. Und dann stell ich fest: Die gehören irgendwie alle zusammen! Und dann ist es immer, als wenn ich ein Leiterchen hole und es mal an die ganzen Würmer, Käfer und Spinnen stelle und hoch kletter. Und siehe da: Von oben betrachtet sind es Insekten. Aha! Damit hat sich mein Horizont erweitert um die Erkenntnis: Es gibt nicht nur Würmer, es gibt noch mehr Grabbelgetiere und alle sind sich in Lebensraum und Aufgabe so ähnlich, das ich sie als Insekten zusammenfassen kann. Es ist der berühmte Wald vor lauter Bäumen, den ich auf diese Weise überwinde. Einfach mal von oben drauf gucken.
Und dank der neuen Sichtweise, die ich von meiner Leiter aus hab, entdecke ich zusätzliches: Hey, da kreucht ja noch mehr. Ist mir vorher vom Boden aus gar nicht aufgefallen. Ich steig meine Leiter also wieder runter und schieb sie mal in die Erde und guck mir das ganz Kleine darin an. Und siehe da: Ich entdecke Bakterien, Viren, Einzeller, Mehrzeller. Schon hab ich den Überblick, wer an Insekten und Kleinstlebewesen den Erdboden bevölkert. Und wenn ich dann anfange mich damit zu beschäftigen, was die da alle machen und warum, verstehe ich den gesamten Lebensraum Erdboden. Dabei hatte ich am Anfang nur einen Wurm und keine Ahnung, was drum ist bzw. warum es den gibt.

Kurz: Immer mal die Perspektive von groß auf klein oder hoch & runter wechseln kann stark helfen, den Horizont zu erweitern. Und wem das jetzt mit meinen Würmern und Bakterien und der Leiter zu konfus erklärt war, der versteht vielleicht was ich meine, wenn er einfach mal ein bisschen mit diesem Link hier spielt. Have fun!

3. Kreativ sein
Das logische hoch & runter oder groß & klein hilft nicht allen. Weil: wonach soll man überhaupt fragen und mit welchem Thema sich überhaupt beschäftigen? Die vielen bösen Bretter vor dem Kopf.

Die Gehirnforscherin und Ikone Vera F. Birkenbihl erklärt das wunderbar. Die meiste Zeit hängen wir in uns bekannten Mustern fest. Was da hilft, um mal paar neue Synapsenschaltungen im Gehirn anzulegen, ist, einfach Listen schreiben. Zum Beispiel eine mit Tieren: Hund, Katze, Huhn, Ente… und dann eine mit Farben: rot, grün, blau, gelb… Und dann überlasse man es einem Zufallsprinzip, was rauskommt, wenn man Tiere und Farben kombiniert. Dann hat man ganz plötzlich eine blaue Ente. Die Schaltungen im Kopf lernen damit, dass sie auch mal an anderen Stellen „abbiegen“ können. Das schießt den Horizont ziemlich ruckartig frei.

Man könnte auch sagen: Hinterfragen sie bestehendes und erlauben sie, das es vielleicht auch noch mal ganz anders ist. Warum soll es blaue Enten nicht geben? In dieser Offenheit ergibt sich für jedes Thema eine Kreativität, dank der man auf alles Mögliche kommt. Ich halte mich im großen und ganzen nicht für kreativ im herkömmlichen Sinne. Ich kann alles ein bisschen und nichts richtig. Weder malen, noch singen, noch modellieren, tanzen gleich gar nicht. Aber ich bin offen.

Unser Schulsystem ist nicht dazu da, unseren Horizont zu erweitern. Es steckt ihn lediglich ab und befüllt den erlaubten Bereich mit irgendwelchen Fakten. Wenn wir die Schule verlassen, ist uns soviel eingetrichtert und beigebracht, wie wir zu denken haben und was stimmt und was angeblich nicht, das wir eigentlich nicht mehr frei denken können. Erlauben Sie sich also, alles zu hinterfragen und weiter zu denken.

Und falls jemand Vera Birkenbihl noch nicht kennt, kann ja hier mal reingucken:
Kreativität mit Vera Birkenbihl

4. Fehlerfreundlichkeit
Mir ist, als hätte ich das schon mal an anderer Stelle geschrieben. Sei es drum, heut passt es hier gut dazu. Es gibt viele Menschen, die trauen sich nicht, etwas falsch zu machen. Auch da verzapft das Schulsystem so einiges, wenn es suggeriert: „Du brauchst dich hier gar nicht erst mit einer falschen Antwort zu melden“. Dann nämlich bleiben immer öfter die Arme derer mit guten Ideen unten. Die Angst, die Lehrer(innen) könnten schimpfen und die Mitschüler lachen, überwiegt.

Dabei sind Fehler das Beste, was passieren kann! Angenommen, sie wollen von Berlin nach Hamburg fahren. Und auf der Autobahn kommen nun jede Menge  Schilder. Die einen sagen: Hier gehts nach Rostock, hier nach Schwerin, hier nach Lübeck. Eigentlich sind sie alle falsch. Sie wollten doch nach Hamburg. Aber genau genommen können Sie diesen Schildern extrem dankbar sein. Alle sagen nämlich: Halt, hier NICHT abbiegen, hier geht es NICHT nach Hamburg. Ohne diese Schilder wäre die Fahrt nach Hamburg eine Oddyssee, weil sie jede Ausfahrt durchprobieren müssten. Jede Verneinung ist ein genauso wichtiger Hinweis, wie ein Ja. Ohne ein Nein, kämen sie permanent vom Kurs ab. Die Neins halten sie auf Kurs. Fangen sie also an, sich über jedes Nein zu freuen. Neins wollen ihnen helfen, genau wie jedes Ja und sie sind ihr Freund.

5. Zeit nehmen
Wenn Sie etwas interessiert bzw. für sie dran ist (zum Bsp. persönliche Probleme bewältigen), dann nehmen Sie sich auch Zeit dafür. Unter Zeitdruck klappern sie nur kurz ab, was sie schon alles zum Thema wissen. Wenn sie es aber erweitern wollen, um mal irgendwie eine Antwort/Lösung zu finden, dann braucht das Zeit. Nur mit Zeit gelingt uns Kreativität und wir hüpfen über bestehendes Wissen und Horizonte. Und nur mit Zeit sind wir offen genug, um neue Wege zu finden, dank der vielen Ja´s und Nein´s, die uns alle dabei helfen. Ich wüsste nicht, was hier gerade besser hin passt, als folgendes Video, das die Wichtigkeit von Zeit-Nehmen verdeutlicht:


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